Topografie der digitale Zaun (2025)

So haben Zäune einmal ausgesehen:
Hecke,
Maschendraht,
Holz,
Beton.
Grenzen zwischen Grundstücken,
zwischen Nachbarn.
Man konnte sie sehen,
fühlen
und sie sagten einem:
Halt
das gehört jetzt mir
Weg da!

Und dann kam das Internet.
Ein Raum ohne Raum,
ohne Boden,
ohne Parzellen,
ohne Besitz.
Ein Versprechen der Verbundenheit.

Aber für manche von uns ist Besitz eine Gewohnheit.
Also bauten wir wieder Zäune.
Zuerst kamen die Passwörter und Logins,
Profile,
die Abomodelle,
die AGBs,
Cookies,
um Besitz zu markieren,
Verbindungen zu unterbinden,
Hausverbote aussprechen zu können.
Plattformen wie spießige Vorgärten
in denen das Spielen verboten ist.

Heute gehört fast alles jemand anderem.
Die Seiten, die wir öffnen.
Die Dinge die wir kaufen.
Die Daten, die wir hinterlassen.
Wir nennen es unser Profil
aber es gehört uns nicht.
Eine Grenze, die nur existiert, weil wir sie selber ziehen.

Und schaut man tiefer,
sieht man selbst auf unseren Profilen Zäune.
Zäune die sagen:
“Das darfst du sehen,
sagen,
denken“.
Glatt gestaltet,
exakt auf uns personalisiert
nehmen wir sie gar nicht war.
Der Algorithmus ist der neue Grundbuchbeamte
er entscheidet,
was sichtbar ist
und was verschwindet.

Doch durchsteigt man die Zäune entdeckt man einen Rest Unordnung.
Freie Fläche.
Vielleicht könnte man dorthin durchdringen
und sagen:
Das gehört niemandem
und gerade deshalb uns allen.